»Die Neugier steht immer an erster Stelle eines Problems, das gelöst werden will.« Galileo Galilei
book cover

Michael Wolff

Der Begriff des Widerspruchs

Eine Studie zur Dialektik Kants und Hegels

Neuausgabe mit einem Nachwort. Frankfurt am Main, 2010. 198 Seiten. Gebunden. Gerade erschienen

ISBN: 978-3-86983-002-5

EUR 28,00 [D]
EUR 28,00 [A]
SFR 40,98

Michael Wolff zeigt in seinem Buch, wie ein Problem, das seit dem 19. Jahrhundert von Interpreten und Kritikern Hegels viel diskutiert worden ist, aufzulösen ist: Es geht
darum, wie sich Hegels Lehre vom Widerspruch zum Begriff des Widerspruchs verhält, der in der Logik als Grundbegriff auftritt. Wolffs Buch wendet sich gegen das verbreitete Missverständnis, Hegels Logik führe einen neuartigen Begriff ›dialektischer‹ Widersprüche ein, – ein Missverständnis, das manchmal noch mit dem Vorwurf verknüpft worden ist, dieser Begriff sei ein Scheinbegriff und beruhe auf einer logischen Konfusion, mit der die in der Syllogistik getroffene Unterscheidung zwischen konträren, subkonträren und ontradiktorischen Gegensätzen verwischt und Kants Unterscheidung zwischen ›realer‹, ›dialektischer‹ und ›analytischer Opposition‹ ignoriert werde. In Wahrheit ist von dialektischen Widersprüchen in Hegels Schriften nirgends die Rede. Eines der Ziele, das Hegels Wissenschaft der Logik allerdings im Unterschied zu traditionellen Logikbüchern verfolgt, ist die Beantwortung der Frage, was eigentlich ein (logischer) Widerspruch überhaupt ist. Wolffs Buch zeigt, dass Hegels Behandlung dieser Frage auf einer profunden kritischen Würdigung der Oppositionstheorie beruht, die Kants Kritik der reinen Vernunft teils im Anhang zur ›transzendentalen Analytik‹ teils in der ›transzendentalen Dialektik‹ entwickelt hat. Der erste Teil von Wolffs Buch bringt eine ausführliche Analyse dieser Theorie. Der zweite Teil seines Buchs stellt dar, wie Hegel die Begriffe des Gegensatzes und des Widerspruchs in seiner Wissenschaft der Logik und in seiner Enzyklopädie als logische Grundbegriffe zum Thema macht. Es stellt sich heraus, daß seine Erklärung des arithmetischen Begriffs der Negativität, der schon in Kants Oppositionstheorie eine zentrale Rolle spielt, für seine Kantkritik systematisch grundlegend ist. Dadurch kommen interessante systematische Zusammenhänge ans Licht, die zwischen Mathematik, formaler Logik und Hegelscher Dialektik bestehen. – In seinem Nachwort geht der Autor auf die seit dem Erscheinen der Erstauflage von 1981 veränderte Forschungssituation ein.


Michael Wolff (geb. 1942) studierte Philosophie und klassische Philologie an den Universitäten Hamburg und Marburg. 1968 promovierte er mit einer Dissertation über antike Philosophie. Von 1970 an erhielt er für drei Jahre von der Deutschen Forschungsgemeinschaft ein Forschungsstipendium. 1974 wurde er Mitarbeiter einer Forschergruppe am Max-Planck-Institut in Starnberg and Gastdozent an der Technischen Hochschule Darmstadt. Von 1975 bis zu seiner Emeritierung 2007 lehrte er an der Abteilung Philosophie der Universität Bielefeld, zunächst als Lehrstuhlvertreter und wissenschaftlicher Assistent, seit seiner Habilitation 1978 als Dozent und seit 1982 als Professor für Philosophie.
Zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen gehören: Fallgesetz und Massebegriff. Berlin: De Gruyter, 1971; Geschichte der Impetustheorie, Frankfurt: Suhrkamp, 1978; Das Körper-Seele-Problem, Frankfurt: Klostermann, 1991; Die Vollständigkeit der kantischen Urteilstafel - Mit einem Essay über Freges 'Begriffsschrift', Frankfurt: Klostermann, 1995; Einführung in die Logik, München: C. H. Beck, 2006; Abhandlung über die Prinzipien der Logik – Mit einer Rekonstruktion der aristotelischen Syllogistik, zweite, verbesserte und erweiterte Auflage, Frankfurt: Klostermann, 2009.